Besonderes Tiererlebnis in Afrika

Löwenkill in Tansania

Löwenkill

Der Tag ist lang im Ngorongoro Krater – immerhin startet die Safari um 6 Uhr in der Früh’ mit dem Jeep von einer Höhe von 2.300 m am Kraterrand hinab in 1.700 m am Kraterboden – und überraschend anstrengend: man ist unentwegt bemüht, Tiere zu entdecken, sucht und beobachtet, wird regelrecht vom „Jagdfieber“ gepackt, ganz egal ob man mit der Kamera oder mit den Augen fotografiert.
Es ist später Nachmittag und unsere Safari Crew entschließt ließt sich, die Tour zu beenden und wieder hoch zur Lodge am Kraterrand zu fahren. Wir haben es uns gerade auf unseren Sitzen bequem gemacht, als unser Ranger Edwin (nach etwa 400 m Fahrt) den Jeep abrupt stoppt und aufgeregt auf ein Gebüsch zeigt, in dem sich offenbar etwas bewegt. Man sieht hellbraune Schatten. Plötzlich bricht aus dem Gebüsch ein Büffel hervor, gehetzt von mehreren Löwen.

Drei, fünf, sieben Löwen sind es, die den Büffel jagen, direkt an unserem Jeep vorbei! Ein paar hundert Meter hinter uns stellt sich der Büffel den Löwen in den Weg. Edwin fährt rückwärts näher an das Geschehen heran. Wir sind sofort wieder hellwach. Das Adrenalin treibt uns von den Sitzen. Hier bahnt sich eine Geschichte an, die sehr selten so nah zu erleben ist. Ein circa 900 kg schwerer Büffel, schnaufend und mit seinem Gehörn gefährlich und aggressiv, und sieben Löwen, jung, geschmeidig und lauernd, stehen sich gegenüber.

Die erste Attacke erfolgt sofort: Die Löwen, die Gefährlichkeit der Hörner kennend, umkreisen ihr Opfer und greifen es dann von hinten an, in Blitzgeschwindigkeit. Ein Löwe versucht sich auf dem Rücken des Büffels festzubeißen, zwei verletzen die Hinterbeine, andere die Körperöffnungen des mächtigen Tieres. Die Strategie ist klar, der Büffel soll zu Fall gebracht werden, um seinen Aktionsradius einzuschränken.

Der Büffel weiß dies und wehrt sich durch heftige Bewegungen und Sprünge, aber die geschmeidigen Großkatzen sind nicht so leicht abzuschütteln. Trotzdem schafft er es mehrfach, die Angreifer abzuwehren, wird immer aggressiver und geht seinerseits auf einzelne Löwen los, um sie mit seinen Hörnern zu verletzen. Die Löwen bilden einen Kreis um ihr Opfer und sind durch ihre Wendigkeit dem Büffel überlegen. Weitere Attacken folgen. Dann ist es soweit – zum ersten Mal stürzt der Büffel im hohen Pampasgras, und sofort sind alle sieben Löwen auf ihm.

Der Büffel gibt stoßartig Schreie von sich. „Help“, „help“ kommentiert unser afrikanischer Ranger das Brüllen. Aber gibt es überhaupt Hilfe? Er ist inzwischen verletzt, er humpelt mit den Hinterbeinen und weist einige blutende Wunden auf. Ja, es gelingt dem Büffel tatsächlich, die Löwen abzuschütteln, sogar wieder aufzustehen und die Löwen anzugreifen. Dann geht er doch wieder zu Boden, versucht noch mit den Hörnern die Löwen in seinem Nacken abzuwehren und brüllt weiter um Hilfe.

Und die erscheint auf einmal – aus dem Gelände rechts – 12 Büffel nähern sich dem verletzten Mitglied ihrer Herde. Die Löwen erstarren und es wird ruhig. Die Luft vibriert und ist voller Spannung. Auf der einen Seite das verletzte Tier mit mehreren Löwen auf dem Rücken, auf der anderen Seite die Büffel, etwas unruhig und überlegend. Minuten lang dauert dieses Gegenüber.

Was wird geschehen? Man sieht förmlich, wie die Büffel abwägen, wer von ihnen den ersten Schritt machen soll. Dann plötzlich startet einer der Büffel einen Angriff – die Löwen lassen sofort von ihrem Opfer ab und ziehen sich in sichere Distanz zurück, aber voller Spannung und immer zum Sprung bereit. Sie verteilen sich im hohen Gras und beobachten jede Bewegung.

Die anderen Büffel nähern sich dem verletzten Tier, das sich mühsam erhebt und sogleich wieder die lauernden Löwen angreifen will. Einige der Büffel versuchen, ihn davon abzuhalten und abzudrängen. Es scheint, als wollen sie ihn beruhigen und ihm helfen, seine Aggressivität abzubauen. Geradezu zärtlich lecken ihm zwei der Büffel die Wunden.

Die Löwen, im weiten Kreis platziert, beobachten das ganze Treiben distanziert, eher gelangweilt. Zwei von ihnen tollen im Gras. Haben sie ihre Beute aufgegeben? Weichen sie vor der Gewalt der Büffel? Nein, sie kennen die Regeln der Natur und wissen, dass diese ihnen nun Geduld abverlangt.

Hin und wieder gibt es ein Scharmützel zwischen einzelnen Büffeln und einzelnen Löwen, die immer sofort zurückweichen, wenn ein Büffel auf sie zukommt, aber dennoch in einer bestimmten Distanz zum Beutetier bleiben. Es scheint, als habe sich dies inzwischen beruhigt und sei nun bereit, mit den Büffeln weiterzuziehen. So humpelt es dann mit den anderen davon, und sie alle verschwinden aus unserem Blickfeld hinter einer Erhebung im Gelände.

Etwa 1 ½ Stunden sind während des Schauspiels vergangen. Wir vermuten das Ende der heutigen Safari und unser Ranger fährt uns im Jeep weiter die Serpentinen zum Kraterrand hinauf. Nach zwei, drei Kurven haben wir eine andere wunderbare Aussicht über das Gelände, und, was wir nun da etwas entfernt erblicken, lässt uns sofort wieder anhalten.

Ist das nun Teil zwei des Dramas? Wir sehen, wie sich die 12 Büffel mit dem hinkenden Tier einer gewaltigen Herde von über hundert Büffeln nähern. Sie gehören wohl alle zusammen, und die 12 scheinen wie „abkommandiert“, um das angegriffene Mitglied der Herde zu retten.

Aus der Entfernung erkennen wir, dass die Löwen mit sicherem Abstand nachgerückt sind. Sie haben also noch nicht aufgegeben. Was wird geschehen? Haben die Büffel den Löwen gezeigt, wer der Stärkere ist? Ist es für die Löwen eine Zeitfrage, bis das verletzte Tier verenden wird? Die Menge der schwarzen Büffel ist eindrucksvoll. Die Herde zieht langsam weiter. Auch Kälber sind zu sehen, „löwensicher“ und geschützt in der Mitte der anderen. Am Ende der Herde ist das verletzte Tier gut auszumachen. Es hinkt.

Ein Bild der Ruhe und des Friedens: der Blick in den weiten Krater, vom Schein der untergehenden Sonne wunderbar beleuchtet Aber die Löwen sind immer noch in der Nähe der Büffel.

Plötzlich wird die Ruhe gestört: ein mehrstimmiges Brüllen der Büffel lässt uns geradezu erschauern, es kommt starke Bewegung in das Ende der Herde, dicht drängen sich viele Büffel um das verletzte Tier, sie bilden einen dichten Kreis, fast wie eine große, ganz schwarze Sonnenblume. Durch unsere Ferngläser erkennen wir, dass sich ein großer, mächtiger Büffel auf den verletzten wirft und ihn so zu Boden drückt. Was soll das bedeuten? Das verletzte Tier scheint sich zu wehren, hat aber offenbar keine Chance, sich wieder zu erheben.

Langsam verlassen nun die Büffel den schwer verletzten Kumpanen - einer nach dem anderen trottet hinter der übrigen Herde her. Ein Abschiednehmen - dem letzten fällt er offenbar besonders schwer! Gibt es da, auch bei Büffeln, besondere soziale Beziehungen? Er wendet sich ab, kommt noch einmal zurück, scheint unentschlossen, ob er gehen soll, zumal auch er sicher bemerkt hat, dass die Löwen nun erstaunlich schnell nachgerückt sind. Kaum hat er sich nur gedreht, sind sie schon wieder bei ihrem Opfer.

Ein, zwei Mal verscheucht der letzte Büffel noch die Löwen, dann verlässt auch er ganz langsam die Szene. Und sofort sind die sieben Löwen wieder da, sie haben in der Nähe die Hyänen bemerkt, wollen ihnen zuvor kommen und vollenden nun, nach 2 ½ Stunden, ihre Jagd. Und obwohl der Büffel noch einmal auf die Beine kommt, und sogar noch angreift, hat er nun allein wirklich keine Chance mehr. Seine Herde hat ihn verlassen, ausgesondert, weil er zu verletzt war und so für die gesamte Herde eine Gefahr bedeutete. Aber die Büffel haben den Löwen auch deutlich gemacht, dass sie sich gemeinsam und organisiert zur Wehr setzen können.

In unserer Lodge gibt es an diesem Abend natürlich nur ein Thema; auch die erfahrenen Ranger haben so etwas noch nie erlebt. Und uns, da wir dies so aus der Nähe erlebt haben, geht dieses Naturschauspiel sehr nahe und klingt sicher noch sehr lange nach.

Februar 2010, M. J. Kumor


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