Indien - Kurze Rundreise durch Rajasthan Teil 2

Ein Rausch der Bilder und Farben

Taj Mahal

Agra & das Taj Mahal - Eine Kölnerin wird dem Dom untreu

Es ist schon wieder sechs Uhr morgens und mit mittlerweile dicken Augenringen sitzen wir in einem Stretch-Golfcart. So haben wir das Gefährt getauft, das aussieht, wie ein Golfcart, aber gut 6 Sitzreihen hat. Mit diesem Vehikel fahren wir zum Tor des Taj Mahals. Als wir am Eingang ankommen, gehören wir zu den ersten 20 Personen, die an diesem Tag eingelassen werden. Wir stellen schnell fest, dass dies einem Sechser im Lotto gleichkommt.

Als wir durch das Eingangstor auf den weiten Platz vor dem Taj Mahal treten, sind wir sprachlos. Schon am Abend vorher haben wir vom Dach unseres Hotels einen ersten Blick auf das Taj Mahal werfen dürfen, doch das haben wir nicht erwartet. Schneeweiß mit einem Hauch Rosa erstrahlt vor uns das prachtvolle Bauwerk im Sonnenaufgang. Atemberaubend schön ist das Grabmal, das Großmogul Shah Jahan für seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal erbauen ließ. Ein zauberhaftes Denkmal der Liebe, das uns mit einem wahren Fotofieber infiziert. Aus allen Winkeln und Entfernungen drücken wir auf den Auslöser, immer in der Hoffnung die wahre Schönheit dieses Monumentes einzufangen. Und dann kommt der Satz, den ich nie von einer waschechten Kölnerin erwartet hätte: „Also man muss schon sagen, dass Taj Mahal ist schöner als der Kölner Dom.“ Dem kann ich nur zustimmen. Es gibt viele Denkmäler, die man auf Fotos sieht und die dann im Original gar nicht mehr so pompös oder eindrucksvoll wirken. Das Taj Mahal ist dagegen sogar noch schöner, als es unsere rund 60 Fotos einfangen konnten.

Und ich bin mir sicher, dass wir beide, wenn wir alt und grau auf einer Parkbank sitzen, immer noch von der unvergleichbaren Schönheit des Taj Mahals schwärmen. Allein für den Anblick des Taj Mahal im Sonnenaufgang ohne Menschenmassen hat sich nicht nur das frühe Aufstehen gelohnt, sondern überhaupt schon die Reise nach Indien.


Ja wo laufen sie denn? – Tigersafari in Ranthambore

Ja, sechs Uhr ist es, als wir am nächsten Morgen gemeinsam mit einem ebenso unausgeschlafenen, amerikanischen Ehepaar den tarnfarbengrünen Safari Jeep besteigen. Zusammen mit einem Fahrer und einem Ranger fahren wir in das Ranthambore Tiger Reservat. Die Chance, einen Tiger zu sehen, soll hier sehr hoch sein. Auf rund 1.335 km² leben hier circa 30 Bengalische Tiger und wir sind optimistisch genug, dass wir mindestens einen zu Gesicht bekommen.

Am Tor zum Reservat werden unsere Pässe geprüft. Die Parkverwaltung will wohl ganz genau wissen, wer hier so vom Tiger verspeist wird. Dann geht es los. Die erste Stunde holpert unser Jeep zunächst über eine befestigte Straße, dann über staubige Dschungel- und Savannenpfade. Die Landschaft ändert sich ständig, mal sieht es aus wie in der afrikanischen Savanne mit hohen vertrockneten Gräsern und verdorrten Bäumen, dann gibt es Lagunen mit Bäumen, die aus dem Wasser herauswachsen und dann kraxelt unser Jeep durch Wälder an Berghängen, die meine Freundin und mich an unsere Pirschfahrten in Kärnten erinnern. Unser Ranger weist immer wieder ins Gebüsch oder die Baumkronen, wo wir neugierig von Indischen Langurenaffen und Samba- und Axiswild beobachtet werden. Hin und wieder schreitet auch ein majestätischer Pfau am Weg entlang und bringt einen interessanten Farbtupfer in die sandig-braune Savannenlandschaft. Doch die Tiger lassen sich nicht blicken.

Auf einmal bremst unser Fahrer mit quietschenden Reifen und setzt den Wagen ein paar Meter zurück. Unser Ranger deutet auf etwas im Staub links von unserem Wagen. Da, gut sichtbar erkennen wir den Abdruck einer riesigen Tigertatze. Sofort sind wir alle hellwach, springen von den Sitzen auf und halten Ausschau nach dem Verursacher dieser Spur. Minutenlang starren wir in die Landschaft, doch nichts ist zu sehen. Mucksmäuschenstill warten wir, dass uns unser Ranger mit den Adleraugen endlich den Tiger zur Tatze zeigt. Doch nach einiger Zeit gibt er dem Fahrer das Zeichen zum Weiterfahren.

Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir einen Rastplatz, wo auch die anderen Safari-Jeeps warten. Auf den Sitzbänken der anderen Fahrzeuge sieht man auch nur lange Gesichter. Keiner hat auch nur die Schwanzspitze eines Tigers gesehen. Wir machen Pause trinken unser Wasser und verfüttern das dubiose Sandwich aus unserem Frühstückspaket an die zahmen Vögel. Plötzlich vernehmen wir eine knarzende Stimme aus dem Funkgerät, das im angrenzenden Toiletten- und Rasthäuschen steht. Wir verstehen nicht fiel, nur das Wort "Tiger" ist allgemein verständlich. Schlagartig wird es hektisch, jeder Ranger und Fahrer springt in sein Auto und fährt los. Nur unser Jeep nicht. Unser indischer Reisebegleiter ist noch auf dem Stillen Örtchen. Mein Vorschlag ihn als Tigerfutter da zu lassen, findet bei den Amerikanern Zustimmung, die Ranger wollen aber anscheinend keinen Versicherungsfall haben. Wir warten also und fahren, dann im Sebastian-Vettel-Stil, über die Piste den anderen Jeeps hinter her. Wenig später treffen wir die anderen wieder. Falscher Alarm! Kein Tiger heute Morgen, jedenfalls nicht für uns.

Als wir wenig später zum Frühstück in die Lodge zurückkehren, hören wir, dass ein englischer Journalist einen Tiger bei der Jagd eines Wildschweins am Morgen gesehen und fotografiert hat. Und tatsächlich besagter Journalist zählt zu den Gästen unserer Lodge und zeigt stolz auf seinem I-Pad die gestochen, scharfen Fotos eines Tigers, der einem Wildschwein durch einen Flusslauf hinterher jagt. Die anderen Gäste und auch wir schauen die Fotos an und nicken wohlwollend. Keiner bricht in Begeisterungsrufe aus, immerhin haben wir keinen Tiger gesehen. Langsam wird dem Engländer bewusst, dass seine Angeberei nicht sehr gut bei Leuten ankommt, die gerade 3 Stunden in einem Jeep durch die Landschaft geschaukelt sind und alles was sie gesehen haben, waren Affen und Hirsche. Mit bedröppeltem Blick fängt er an sein Porridge zu essen.

Als wir am Nachmittag zur zweiten Safari aufbrechen, schlagen wir unserem indischen Reisebegleiter vor, ein Schwein vom Wegrand zu klauen, um so den Tiger anzulocken. Er lässt sich nicht darauf ein. Schade, denn auch am Nachmittag bleibt uns der Anblick eines Tigers verwehrt.

Dafür hatten wir in der Nacht unser eigenes Tiererlebnis, als ein kleiner, meiner Meinung nach, süßer Gecko sich in unsere Hütte verirrt hatte. Meine Freundin war anderer Meinung, so dass ich blind und im Pyjama nur mit einer Taschenlampe bewaffnet durch den Dschungel stampfen musste, um einen Helden zu suchen, der unseren ungebetenen Gast entfernt.

Was den Tiger betraf versicherte uns unser Reisebegleiter, dass Gäste die 2 Tage Safari machen, immer einen Tiger sehen. Wir verlassen den Nationalpark am Morgen des nächsten Tages ohne Tigersichtung, aber dafür ausgeschlafen. Wir fahren ausnahmsweise erst um 8.00 Uhr los.


Jaipur – Shopping-Fieber Indian Style

Das letzte Ziel unserer Reise ist Jaipur – the Pink City. Nach 2 Tagen im Indischen Dschungel hat uns das bunte Gewusel wieder. Natürlich stehen hier Besuche auf dem hoch über der Stadt thronenden Fort Amber, dem beeindruckenden Observatorium Jantar Mantar mit einer bis auf 20 Sekunden genauen Sonnenuhr und dem prächtig ausgestatteten Stadtpalast auf dem Programm. Besonders witzig ist der obligatorische Elefantenritt zum Fort Amber, der auf Grund eines Festes in den Festungsmauern nur vor dem Fort stattfand. Aber Dank des Auftrittes eines besonders euphorischen Fotografen namens Abdullah, der uns noch heute in Lachkrämpfe ausbrechen lässt, wurde dieser kurze Ritt ein kleines Highlight. Ein Tipp: Wenn Sie auf dem Elefanten fotografiert werden und Ihnen im Nachhinein 10 Fotos für 700 Rupien (ca. 11 Euro) angeboten werden, verweigern Sie einfach die Annahme. Sie werden sehen, wie schnell Sie die Fotos für rund 100 Rupien (ca. 1,50 Euro) angeboten bekommen. Die Fotos haben meist eine echt gute Qualität und der selige Gesichtsausdruck, den man anscheinend auf dem Rücken eines Elefanten annimmt, ist höchst amüsant.

Doch in wahre Hochstimmung geraten wir beim Anblick der vielen bunten Geschäfte in der pinken Altstadt. Das Shopping-Fieber packt uns und so bummeln wir von Laden zu Laden und lassen uns bunte Flipflops, farbenfrohe Taschen und Tücher und glitzernde Lampen präsentieren. Mittlerweile sind wir Profis, was das Verhandeln angeht. Denn immerhin waren wir in den letzten Tagen in einigen Teppichläden, um den perfekten Teppich für das Haus meiner Freundin zu finden. Unser indischer Reisebegleiter und wir beiden Mädels sind schon ein eingespieltes Team und bringen die Teppichhändler Rajasthans mit verzwickten Vorstellungen vom perfekten Teppich zur Verzweiflung. So hatten wir eigentlich erwartet, dass in Jaipur bereits Fahndungsplakate von uns hängen. Doch wir werden überall herzlich empfangen.

Besonders beeindruckend ist der Besuch in einer Schmuckmanufaktur, in der wir die Produktionsräume besuchen dürfen. Normalerweise bin ich gar kein Fan von solchen Touristenvorführungen. Aber die filigranen Arbeiten der Schmuckhandwerker, die mit winzigen Pinzetten tausende Edelsteine in funkelnde Anhänger und Broschen einarbeiten und teilweise bis zu einem halben Jahr für ein Schmuckstück brauchen, beeindrucken uns beide schwer. Unser Budget reicht nach einigen Verhandlungen nur für ein paar Ohrringe. Die faszinierende Präsentation in der Werkstatt jedoch bleibt unvergesslich.

Und am Ende des Tages finden wir doch noch etwas, um das Haus meiner Freundin mit einem indischen Touch zu versehen. Es ist zwar nicht der Seiden-Kaschmir-Teppich, in den sich meine beste Freundin verliebt hatte, aber eine wunderschöne, bunte Orientalische Lampe, die 2 Tage später tatsächlich unversehrt auf dem Kofferband des Frankfurter Flughafens landet und nun in einem Wohnzimmer bei Köln hängt. Sie erinnert uns jedes Mal aufs Neue an die bunten Farben Rajasthans, den majestätischen Anblick des Taj Mahals und die aufregende Reise, die wir gemeinsam erleben durften.

C. Reiners, April 2011

 

 


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