Ein rasanter Kurztrip durch Lissabon

Catedral Sé Patriarcal

Städtereise für Junge und Junggebliebene

Als der Pilot eine große Kurve über den Tejo fliegt, blicken viele Passagiere verwundert aus dem Fenster. „Was ist das?“ „Wir wollten doch nach Lissabon.“ „Das da unten ist doch die Golden Gate Bridge.“ Über das tiefblaue Wasser des breiten Flusses spannt sich eine rote Hängebrücke, die dem legendären Wahrzeichen San Francisco’s zum verwechseln ähnlich sieht. Die Wenigen, die bereits Ihren Reiseführer auf dem Schoß haben, wissen natürlich, dass das die Ponte 25 de Abril ist. Doch dies ist nicht das letzte Mal, dass uns Lissabon auf unserem Kurztrip überraschen wird.

Beim ersten Ausblick über die Lissabonner Innenstadt sehe ich bei meinen jungen Mitreisenden und mir skeptische Blicke. Die Lissabonner Altstadt ist dreigeteilt. Drei Altstädte wird es also zu besichtigen geben. Bei einigen von uns werden Kindheitstraumata wach, Stadtbesichtigungen in Altstädten bedeuteten alte Häuser, verstaubte Museen und Kirchen und Geschichten von Menschen, die schon lange nicht mehr leben. Wir blicken vom ersten Altstadtviertel Bairro Alto hinunter in das zweite Altstadtviertel Baixa, dem Geschäfts- und Shoppingdistrikt mit schnurgeraden Straßen und eleganten Gebäuden. Dieses Viertel wurde nach dem schweren Erdbeben von 1755 praktisch auf dem Reißbrett entworfen. Das komplette Gegenteil erstreckt sich auf dem uns gegenüber liegenden Hügel mit dem dritten Altstadtviertel Alfama mit unzähligen, verwinkelten Gässchen und dem mächtigen Castelo de São Jorge.
Bedeutet das für uns drei Mal so viele alte Häuser, verstaubte Museen und Kirchen und Geschichten?

Bereits am nächsten Tag werden wir eines Besseren belehrt. Eine Stadtrundfahrt steht auf dem Programm, doch anstatt in einem Reisebus zu sitzen und der Mikrofonstimme eines Reiseleiters zu lauschen, der diese Woche schon zum 10. Mal die gleiche Runde fährt und immer an der gleichen Stelle, den gleichen lahmen Witz macht, stehen wir in einer kleinen Seitenstraße vor 3 quietschgelben „Go-Karts“. Der Instrukteur erklärt uns kurz, wie das Handgas und die Bremsen funktionieren und schon stürzen wir uns am Steuer unseres Karts in den Lissabonner Verkehr. An der ersten Ecke zucken alle Fahrer und Beifahrer simultan zusammen. Aus Lautsprechern über den Kopflehnen erklärt uns eine freundliche und unüberhörbare Frauenstimme, in einwandfreiem Deutsch, den Weg. Los geht’s! Mal schneller, mal langsamer flitzen unsere gelben Gefährte die Hügel und Gassen der Alfama hinauf und herab und schlängeln sich gekonnt durch den Nachmittagsverkehr in der Baixa. Nebenbei erklärt uns die freundliche Frau aus den Lautsprechern immer wieder die Sehenswürdigkeiten am Wegesrand oder lotst uns, dank GPS-Navigation, wieder zurück auf den rechten Weg. Doch wenn wir ehrlich sind, wir hören selten zu, viel zu sehr sind wir damit beschäftigt, den Passanten huldvoll zurückzuwinken und fröhliche Hupkonzerte an Ampeln und Kreuzungen anzustimmen. Nach fast 3 Stunden (inklusive einer kurzen Rast in einem Straßencafé) wollen wir gar nicht mehr aussteigen, zuviel Spaß hat uns die Fahrt gemacht. Endlich mal eine Stadtrundfahrt, die informativ, aktiv und spaßig zugleich ist, ohne dass man Antworten zu den ewig selben Fragen auf einer Stadtralley finden muss.

Einen Tag später findet sich unsere kleine Gruppe an der kleinen Marina von Belém wieder. Noch ganz beseelt von der eindrucksvollen Kirche des Hieronimus-Klosters und gestärkt mit den berühmten und zu köstlichen Pastéis de Belém blicken wir hinunter auf unser Boot – ein RIB. Es sieht aus wie ein zu lang geratenes Gummiboot mit zwei Sitzbänken mit Bügeln zum festhalten. Damit soll es durch die Mündung des Tejo Flusses hinaus auf den Atlantik bis nach Cascais gehen. Wir nehmen hintereinander Platz und unser Kapitän startet den Motor. Noch tuckern wir gemütlich über den Fluss und Einigen von uns mag die ausführliche Sicherheitsanweisung des Instrukteurs und die Schwimmweste übertrieben erscheinen. Der berühmte Torre von Belém und das Entdecker-Denkmal ziehen an uns vorbei und unser Kapitän gibt langsam Gas. Nach den ersten Hüpfern über die ein oder andere Welle fragt man sich, ob das dritte Pastel de Belém eine gute Idee war. Doch der Steuermann beschleunigt immer noch und in kleinen und großen Kurven schießen wir über das Wasser und machen große Sprünge über Wellenkämme. Als wir auf halbem Weg einen Stopp in einem kleinen Yachthafen an der Mündung in den Atlantik unternehmen, ist uns allen ein breites Grinsen ins Gesicht geschrieben. Hier genehmigen wir uns, bevor es weiter geht, in der Hafenbar einen Gin-Tonic. 5 Minuten später wird uns der Grund für diese Idee unseres Kapitäns klar: Er wollte, dass wir uns Mut antrinken. Denn hier auf dem Atlantik gibt er erst richtig Gas. Bei langen Sätzen über die Wellen scheint das Boot fast abzuheben und in scharfen Kurven fahren wir Slalom um Bojen. Das Boot fliegt mit uns über den Atlantik. Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir den Hafen von Cascais. Unser Grinsen ist uns mittlerweile ins Gesicht zementiert. Das ist Adrenalin pur, ein riesiger Spaß und ganz sicher eine witzige und unübliche Variante in die mondänen Küstenorte vor Lissabon zu gelangen.

Außer auf dem Wasser kann man sich auch im Lissabonner Umland ungewöhnlich von A nach B bewegen. Die nächste Idee für junge Leute und Junggebliebene lernen wir am Nachmittag kenne, als wir uns mit Off-Road-Jeeps und sogenannten Cross-Karts (geländetaugliche motorisierte Go-Karts) einen Weg durch die Wälder der Berglandschaft im Nordwesten Lissabons bahnen. Hinter jeder Biegung gibt es neue, atemberaubende Ausblicke auf die Märchenschlösser rund um Sintra. Wer sich einen besonderen Spaß machen möchte, fährt mit seinem Kart zum Portal des eleganten und absolut zu empfehlenden „Penha Longa Golf Resort & Spa“ und bittet den Valet das Auto doch bitte zu parken. Achtung! Dies klappt nur, wenn man auch wirklich im Hotel erwartet wird.

Doch nicht nur tagsüber überzeugt uns Lissabon mit hippen und jungen Ideen, auch an den Abenden geraten wir ins Schwärmen.
Besonders zu empfehlen sind die Restaurants am Hafen. Die Fassaden der, in Restaurants und Clubs umgebauten, Lagerhäuser erinnern einen direkt an die berühmte Waterfront von Kapstadt. Hier ist selbst während der Woche einiges los und man kann zu erschwinglichen Preisen köstlichen Fisch und Meeresfrüchte, aber auch Steak und BBQ-Spezialitäten genießen. Wer über einen größeren Geldbeutel verfügt oder sich einfach mal etwas gönnen möchte, geht in das Restaurant „Kais“ in einer alten Fabrikhalle. Schon beim Eintreten verschlägt es einem schier die Sprache. Ein Wasserfall im Eingangsbereich ist nur der erste Eyecatcher in der rie-sigen Halle. Olivenbäume und unzählige Kerzen tun ihr Übriges dazu. Manch einer vermutet auf Grund der Größe der Halle Hofbräuhaus-Atmosphäre. Doch der persönliche Service (1 Kellner für maximal. 2 Tische) und die exzellente Küche verwandeln diese Annahme schnell ins Gegenteil. Dieser Abend war sicherlich ein absolutes Highlight. Wer es etwas gemütlicher und authentischer schätzt, sollte sich einmal abends in das Gassenlabyrinth der Alfama trauen. Hier erlebt man nicht nur bodenständige und landestypische Küche, sondern auch den berühmten Fado-Gesang, von dem selbst unsere Gruppe „Jungspunde“ berührt und beeindruckt war.

Am letzten Abend stehen wir an den Zinnen des Castelo de São Jorge und Blicken hinüber über das mit unzähligen Lichtern strahlende Lissabon zu unserem Startpunkt im Bairro Alto. Wir alle haben ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen, denn Lissabon hat uns mit pfiffigen Ideen überrascht und einem jungen, zeitgemäßen Gesicht überzeugt. Und derjenige, der gegen eine lange, spannende Geschichte, bezaubernde, altehrwürdige Bauwerke und prachtvolle Kirchen nichts einzuwenden hat, findet hier in Lissabon natürlich auch das perfekte Reiseziel für die nächste Städtereise – immerhin hat Lissabon 3 Altstädte.

März 2011, C. Reiners

 


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